Sadomasochisten können, wie alle anderen Menschen, in Beziehungen geraten, in denen sie missbraucht werden. Da viele von ihnen isoliert von anderen Sadomasochisten leben und es kaum Rollenmodelle für SM-Beziehungen gibt, kann es für sie allerdings schwieriger sein, diesen Sachverhalt zu erkennen. Dieser Text soll Sadomasochisten helfen, festzustellen, ob sie in einer solchen Beziehung stecken und Möglichkeiten aufzeigen, Probleme zu vermeiden.
Wie alle Menschen können Sadomasochisten in Beziehungen geraten, in denen sie missbraucht, in ihrer Freiheit eingeschränkt oder regelmäßig das Opfer von nicht-einvernehmlicher Gewalt werden. Gewalt, sagt das landläufige Vorurteil, sei die Grundnatur einer sadomasochistischen Beziehung und lange Zeit unterstützte die Medizin diese Vorstellungen. Sadomasochisten selbst wissen, daß ihre Beziehungen sich nicht grundsätzlich von denen zwischen Nichtsadomasochisten (Vanilles) unterscheiden. Die neuere medizinische Forschung hat dies auch inzwischen anerkannt [braeu].
Trotzdem kann es für Sadomasochisten schwierig sein zu erkennen, daß sie in einer destruktiven Beziehung stecken. Auch sie können glauben, daß gewisse Formen des Mißbrauchs besonders für Sadomasochisten in der passiven Rolle (Bottoms) "einfach dazugehören", daß die Rechtlosigkeit, die sie in ihren Spielen erleben, auch für die restliche Beziehung gelten muss. Die Glorifizierung solcher Beziehungen in der sadomasochistischen Literatur, in der der Bottom tatsächlich 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche das willenlose Spielzeug des Sadomasochisten in der aktiven Rolle (Top) ist, wie "Geschichte der O" [reage] oder "Mr. Benson" [prest], können diesen Glauben noch verstärken. Sadomasochisten, die keinen Anschluß an die organisierte Subkultur haben, kann es außerdem an konstruktiven Vorbildern für ihre eigene Beziehung mangeln.
Die amerikanische National Leather Association, kurz NLA, ist als erste sadomasochistische Organisation diesem Problem mit ihrem Domestic Violence Education Project begegnet. Sie stellte speziell für Sadomasochisten einen Fragenkatalog zusammen, mit dem eine destruktive Beziehung (englisch domestic violence, wörtlich übersetzt "häusliche Gewalt") leichter erkannt werden kann. Auf dieser Übersetzung basiert unser Text zu einem großen Teil. Weiter flossen Gedanken aus der Diskussion zum verwandten Thema Hörigkeit aus der Szene Intern von Anfang 1995 ein [si.1.95].
Jeder Mensch kann in eine destruktive Beziehung geraten.
Tatsächlich wird fast jeder aus seinem Bekanntenkreis Beispiele für Beziehungen
kennen, die durch einen gewissen Grad von Hörigkeit, Mißbrauch
oder gar Gewalt gekennzeichnet sind. Destruktive Beziehungen sind ein
verbreitetes Problem.
Auch unter Sadomasochisten kommen destruktive Beziehungen vor.
Zwar ist es richtig, daß es keine Anzeichen für ein erhöhtes Vorkommen von
Missbrauch unter Sadomasochisten gibt und es ist auch wahr, daß die meisten
Sadomasochisten ihr Leben damit verbringen, das ihrem Vanille-Umfeld immer
wieder zu erklären. Trotzdem darf das nicht dazu führen, daß Sadomasochisten die
Augen gegenüber der Tatsache verschließen, daß auch in ihren Kreisen destruktive
Beziehungen auftreten können.
Es gibt keine Gruppe von Sadomasochisten, die für eine destruktive
Beziehung besonders anfällig oder auch völlig immun wäre.
Jeder, ob männlich oder weiblich, homosexuell oder heterosexuell, Top oder
Bottom, kann Opfer körperlicher oder psychischer Gewalt in einer Beziehung
werden. In westlichen Gesellschaften wird meist nicht akzeptiert, dass auch
Männer Opfer sein können; in der sadomasochistischen Subkultur wird zu wenig
daran gedacht, dass auch Tops in destruktiven Beziehungen gefangen sein können.
Eine sadomasochistische Beziehung ist ihrem Wesen nach zunächst nicht anders als eine nichtsadomasochistische: Jede Beziehung sollte durch gegenseitigen Respekt, Vertrauen und Verantwortung in und für den Partner gekennzeichnet sein. Eine Beziehung muß ein Ort sein, an dem man sich sicher, geborgen und verstanden fühlt. Kein Partner ist "wertvoller" oder "wichtiger" als der andere, beide sind gleichberechtigt. Die einzige Besonderheit in einer sadomasochistischen Beziehung ist die Machtverteilung während des Spiels. (In diesem Text verwenden wir, wie überall auf den Datenschlag-Seiten, den Ausdruck "Spiel" für SM-Interaktionen. Diese Bezeichnung sagt nichts über die Ernsthaftigkeit oder emotionale Tiefe dieser Handlungen aus; eine ausführlichere Erörterung findet sich unter www.datenschlag.org/papiertiger/lexikon/spiel.html.)
Alle Sadomasochisten sind gleich, nur während eines Spiels sind einige gleicher als andere.
Ein Spiel ist ein Ausnahmezustand, der nur unter kontrollierten Bedingungen und strengen Regeln eingegangen wird. Viele Sadomasochisten ziehen es vor, wenn ein Spiel einen klaren Anfang und ein klares Ende hat. Das Geschehen während eines Spiels wird durch Grenzen bestimmt, die Bottom und Top vorher festgelegt haben. Fällt das Safeword, muss es bedingungslos respektiert werden. Manche Tops versuchen, unerfahreneren Bottoms einzureden, bei ihnen sei die Verabredung eines Safewords "nicht nötig" oder "nur was für Möchtegern-SMler". Wird das Spielen ohne Safeword gefordert, sollte der Bottom hellhörig werden.
Ganz gleich, welche Praktiken während eines Spiels zugelassen sind, ganz gleich, wie sehr sich der Bottom in ihnen erniedrigen, quälen oder zu einem Lustobjekt machen lässt, sie sind auf die Zeit des Spiels begrenzt und basieren auf gegenseitigem Einverständnis. Außerhalb der Grenzen des Spiels stellen dieselben Praktiken Psychoterror, Körperverletzung und Vergewaltigung dar. Psychoterror gehört nicht zum Sadomasochismus, Körperverletzung gehört nicht zum Sadomasochismus, erzwungener Sex gehört nicht zum Sadomasochismus.
Gewalt hat soviel mit Sadomasochismus zu tun wie Vergewaltigungen mit Liebe.
Kein Bottom darf gezwungen werden, immer unterwürfig zu sein, kein Top dazu, immer stark aufzutreten. Ein Bottom muss seine Persönlichkeit entfalten können, ohne auf Widerstand zu stoßen; ein Top muss auch Schwäche zeigen können, ohne Hohn erwarten zu müssen.
Geliebt wird man dort, wo man Schwäche zeigen kann, ohne Stärke zu provozieren.
Manche Sadomasochisten bezeichnen viele der obigen Gedanken als "verweichlichten" oder gar "falschen" Sadomasochismus. "Echte Sadomasochisten" benutzen kein Safeword, hört man von ihnen, leben immer als "echt veranlagte" Tops oder Bottoms in ihren Rollen. Es werden Worte wie "Poser" für Sadomasochisten benutzt, die als Tops auch zärtlich zu ihren Bottoms sind oder für Bottoms, die es wagen, eine eigene Meinung zu haben. Unerfahrene Sadomasochisten können dazu verleitet werden, diesen Selbstdarstellungen zu glauben und leichter in destruktive Beziehungen rutschen.
Der Katalog der National Leather Association umfaßt Fragen zu den Themenbereichen :
Im Gegensatz zu dem englischsprachigen Original wurden hier die Fragen mit einem erläuternden Kommentar versehen, damit auch Nichtsadomasochisten, die mit diesem Thema konfrontiert werden, z.B. Ärzte, leichter Zugang zur Materie haben.
Zu den klassischen Methoden der Gehirnwäsche gehört es, das Opfer zu isolieren und ihm den Zugang zu Ressourcen zu verweigern.
Die folgenden Fragen betreffen nicht nur sadomasochistische Beziehungen, sondern alle Beziehungen. Einige haben aber für Sadomasochisten eine besondere Bedeutung, wie Fragen des Vertrauens oder der Fähigkeit, mit dem Partner zu reden; sie werden deshalb besonders unter diesem Gesichtspunkt besprochen.
Auch wenn in einem Spiel der Bottom dem Top gewisse Rechte einräumt, ist nicht alles erlaubt. Auch der Bottom hat nicht das Recht, alles und jedes vom Top zu verlangen.
Die Anwendung sadomasochistischer Praktiken, ob körperlicher oder psychischer Art, ist nur innerhalb von SM-Situationen zulässig und darf aus deren Grenzen nicht ausbrechen. Auch in Lifestyle-Beziehungen, also solchen, in denen das alltägliche Zusammenleben als ein durchgehendes Spiel gesehen wird, gibt es Situationen und Zeitpunkte, wo eine Rückkehr zur Normalität ansteht. Jeder Sadomasochist muss durch sein Verhalten beweisen, dass er die Grenzen zwischen Spiel und Realität erkennt, versteht und respektiert.
Jeder Mensch hat Grenzen. Eine gewisse Art von Bottoms behaupten allerdings mit einer gewissen Arroganz, daß sie keine Grenzen hätten, in der Vorstellung, daß sie deswegen bessere Bottoms wären. Diese Form von narzißtischer Angeberei kann meist dadurch beendet werden, dass der Top mit einer Kettensäge den Raum betritt. Die vorherige Vereinbarung von Grenzen, die Absprache, ist die zentrale Methode der Vorbeugung von Missverständnissen, Abstürzen und Verletzungen.
Das Safeword ist der zentrale Sicherheitsmechanismus während eines Spiels selbst. Manche Tops verlangen von ihren Bottoms, dass sie ohne Safeword spielen, weil sie sonst nicht das Gefühl hätten, dass man ihnen vertrauen würde. In einigen Fällen wird das sogar als Bedingung für ein Spiel angegeben. Solche Tops haben vergessen, daß Vertrauen ein Geschenk eines Bottoms an seinen Top ist, das der Top sich verdienen muß und nicht etwas, worauf der Top ein Geburtsrecht hat. Die einzige Art, mit solchen Tops umzugehen ist, jedes Spiel mit ihnen zu verweigern.
Es gibt Sadomasochisten, die betonen, dass sie ohne Safeword spielen, meist mit dem Zusatz, dass das das Beste seit der Erfindung des Orgasmus sei oder gar, dass man nur so "echten" Sadomasochismus betreiben könne. Meist handelt es sich hierbei nur um eine Verwechslung der Begriffe Slowword und Safeword. Mit einem Slowword (wie rot, gelb, grün) kann der Bottom die Intensität eines Spiels steuern, eine Möglichkeit, die mit der "Aufgabe des Safeword" meist gemeint ist. Ein Safeword dagegen hat den Sinn, das Spiel in einem Notfall zu unterbrechen - bei einem Krampf, wenn das Haus Feuer fängt, drohendes Erbrechen hinter einem Knebel oder die Schwiegermutter, die hinter dem Top durch die Tür kommt. Die wenigsten Paare, die behaupten, "ohne" zu spielen, würden tatsächlich ein Safeword ignorieren.
Die Aufgabe des Slowwords ist etwas, was der Bottom immer aus freien Stücken und ohne Zwang dem Top anbieten muss. Das Vertrauen, das zu einem solchen Angebot führen kann, muß sich der Top verdienen, er kann es niemals verlangen. Ein Bottom vertraut dem Top, dass dieser immer das Safeword respektieren wird; ein Top vertraut dem Bottom, dass er ein Safeword nur bei wirklichen Notfällen verwenden wird. Ist dieses Vertrauen auf der einen oder anderen Seite nicht gegeben, ist ein Spiel und erst recht eine Beziehung nicht sinnvoll. Verlangt ein Top den Verzicht auf das Safeword, ist das ein deutliches Alarmsignal.
Sadomasochisten sollten jetzt den Fragenkatalog nochmal durchgehen und diesmal nur die Fragen zu beantworten versuchen. Wenn man eine oder gar mehrere Fragen mit ja beantworten kann, liegen Anzeichen für eine destruktive Beziehung vor. Die Vielfalt der möglichen SM-Beziehungsformen ist allerdings sehr groß - es gibt durchaus glückliche, funktionale Beziehungen, in denen einer oder mehrere dieser Punkte zutreffen können. Mindestens aber sollten diese Punkte dann zum Anlass genommen werden, sehr genau über die Beziehung nachzudenken: Besteht eure Beziehungsform auf deinen ausdrücklichen, freien Wunsch hin? Sind die fraglichen Regelungen und Verhaltensweisen zwischen euch abgesprochen, hast du deine Zustimmung dazu gegeben? Bereiten sie dir noch ebensoviel Spaß wie in der Anfangsphase der Beziehung oder ist es an der Zeit, sie zu überdenken? Machen sich Freunde und Bekannte Sorgen um dich, und sind diese Sorgen eventuell berechtigt? Bist du ganz sicher, dass diese Beziehung und diese Beziehungsform dir gut tut? Es ist sinnvoll, sich diese Fragen immer wieder zu stellen - Menschen ändern sich und Beziehungen ändern sich.
Für Vanilles existieren eine Reihe von offiziellen Anlaufstellen, um aus destruktiven Beziehungen zu entkommen, die meistens allerdings Frauen vorbehalten sind. Sadomasochisten können zögern, diese Organisationen in Anspruch zu nehmen, weil sie befürchten, als "Perverse" abgewiesen zu werden oder dass rechtliche Schritte gegen sie eingeleitet werden könnten.
Dazu muss gesagt werden: Die juristische Stellung des einvernehmlichen, sprich auf freiwilligem Handeln beruhenden Sadomasochismus ist in Deutschland gesichert. Eine genaue Darstellung findet sich bei Sitzmann [sitzm], eine kürzere Behandlung des Themas auch in der Szene Intern Ausgabe von Februar 93 [si.2.93].
Sadomasochistische Opfer von Missbrauch oder Vergewaltigung haben vor Gericht die gleichen Rechte wie alle anderen Opfer auch.
Jede Vergewaltigung und jede Misshandlung sollte daher ohne Zögern zur Anzeige gebracht werden. Angst vor gesellschaftlichem Spott darf nicht zu einem Verbleib in einer destruktiven Beziehung führen.
Traditionelle Anlaufstellen für Opfer sind etwas problematischer. Besonders sadomasochistische Frauen können zwischen die Fronten des Geschlechterkriegs geraten und von ihren nichtsadomasochistischen Geschlechtsgenossinnen Sprüche wie "Du wolltest es doch so!" oder "Das hast du jetzt davon!" zu hören bekommen. Wie im Keres Report [keres] dokumentiert, hat eine von vier lesbischen Sadomasochistinnen Gewalt durch die lesbische, nichtsadomasochistische Umgebung erfahren.
Eine mögliche Anlaufstelle ist immer der Hausarzt, der auf Hilfsorganisationen verweisen kann und gleichzeitig durch die ärztliche Schweigepflicht gebunden ist.
Neben den offiziellen Stellen kann sich der Kontakt mit Organisationen der sadomasochistischen Subkultur lohnen, die vielleicht ohnehin einen besseren Einblick in die Problematik haben. Adressen und Telefonnummern von Beratungstelefonen werden in Abschnitt [subkultur] angegeben. Im Allgemeinen ist die Infrastruktur in diesem Bereich noch äußerst dürftig.
Die beste Art, einer destruktiven Beziehung zu entgehen, ist, sie von vorne herein zu vermeiden. Besonders sollte man sich vor Menschen hüten, mit denen man nicht gut über Grenzen und Sexualverhalten allgemein reden kann. Wirklich gefährlich ist die Gattung von Sadomasochisten, die Begriffe wie "echter Sadomasochismus", "echter Bottom" benutzen, Vorstellungen haben, welche Praktiken für eine "richtige" Beziehung notwendigerweise dazugehören, gewisse Spielarten als "verweichlicht" oder "Kinderkram" bezeichnen, oder gar zu wissen glauben, was ein Partner zu tun bereit sein muss, bis er oder sie als "richtiger Top" oder "richtiger Bottom" gelten darf.
"Echter Sadomasochismus" ist alles, was beiden Partnern Spaß macht.
In der Psychiatrie gibt es den Begriff der Sadistic Personality Disorder [macti]. Von den folgenden Kriterien müssen mindestens vier gegeben sein, um die Diagnose von SPD formell zu rechtfertigen:
Studien zu diesem Thema haben bei derartigen Personen eine höhere Häufigkeit von Alkohol- und Drogenmißbrauch wie auch von Depressionen gefunden [reich].
Diese Kriterien sind natürlich innerhalb der Grenzen eines sadomasochistischen Spiels bedeutungslos, dürfen aber während der restlichen Beziehung nicht auftauchen. Menschen mit SPD sind gefährlich und werden oft im Zusammenhang mit Fällen von Kindesmissbrauch und anderen Formen der familiären Gewalt auffällig.
Die nichtkommerzielle Subkultur hat trotz ihres enormen Wachstums während der letzten Jahre und einen damit verbundenen Verlust an Intimität immer noch ein gewisses, allgemein verbreitetes Wissen über das Spielverhalten ihrer Mitglieder, das eine gewisse Schutzfunktion erfüllt. Man muß zwar sehr vorsichtig damit sein, persönliche Kleinkriege für bare Münze zu nehmen, aber der Ruf eines möglichen Partners in der Subkultur kann ein Hinweis darauf sein, ob eine konstruktive Beziehung mit ihm möglich sein wird.
Gewalt in Partnerschaften von Sadomasochisten ist ein Problem, mit dem die meisten Opfer allein gelassen werden. Mit Ausnahme derer, die in der Subkultur integriert sind, sind misshandelte Sadomasochisten fast immer einer verstärkten Isolation ausgesetzt. Das Opfer muß sich klarmachen:
Es sollten möglichst früh Vorbereitungen für den Fall getroffen werden, dass man schnell eine gemeinsame Wohnung oder Ähnliches verlassen muß. Familienmitglieder und Freunde sollten über die Situation in Kenntnis gesetzt werden. Auch hier darf falsche Scham nicht zur Isolierung führen.
Die Angst, keinen anderen Partner mit Interesse an SM zu finden, ist der schlechteste Grund für das Aufrechterhalten einer destruktiven Beziehung. Es gibt gar nicht so wenige Sadomasochisten, und die bloße Befürchtung, nichts Besseres zu finden, ist ganz bestimmt keine Basis für eine Liebesbeziehung.
Es kann gute Gründe geben, warum ein Verlassen der Beziehung nicht möglich oder erwünscht ist - Angst vor oder Liebe zum Täter, wirtschaftliche Abhängigkeit, Kinder. Auch wenn man bleibt, gibt es Hilfe. Es existieren Familienberatungsstellen und Hilfsorganisationen, die für diese Fälle ausgebildet sind, wenn auch nicht unbedingt auf die besondere Situation einer sadomasochistischen Beziehung. Ist man selbst nicht dazu in der Lage, können Freunde, Ärzte oder Pastoren auch ohne Kenntnisse der Neigung Kontakt zu solchen Gruppen für dich herstellen.
In vielen Fällen wird das Opfer aber selbst gar nicht mehr erkennen können, dass es in einer destruktiven Beziehung steckt. In diesen Fällen kommt dem Umfeld entscheidende Bedeutung zu.
In einigen Fällen wird ein Partner merken, daß der andere in eine Hörigkeit rutscht oder sich in seine Rolle hineinsteigert, ohne daß der andere es will oder gar versucht, eine solche Situation herbeizuführen. Der Täter wider Willen schafft es dann vielleicht auch nicht, dem Anderen die Situation selbst oder durch Bekannte oder Freunde klarzumachen. In so einem Fall ist eine Lösung, die Beziehung abzubrechen. Dieser Schritt kann für das Opfer enorm hart sein. Bevor dieser Schritt gemacht wird, sollte sich der Täter, wo immer möglich, Rat und Hilfe holen.
Umfeld bedeutet in diesem Zusammenhang so gut wie immer das subkulturelle Umfeld, da für Vanilles der Unterschied zwischen konsensuellen, sadomasochistischen Spielen und Gewalt teilweise nicht erkennbar ist.
Was genau in einem Einzelfall zu tun ist, kann natürlich nicht allgemein formuliert werden. Wie oben schon beschrieben können allgemeine Ratschläge, wie mit dem Opfer oder Täter zu reden, in der Realität billig sein. Außenstehende können selbst versuchen, bei Beratungsstellen und bestehenden Einrichtungen Rat zu holen. Diese Stellen sind für solche Situationen ausgebildet und verfügen über große Erfahrung.
Solange öffentliche Stellen nicht ausreichend über Sadomasochismus Bescheid wissen, um verständnisvolle und nützliche Hilfe bieten zu können, sind andere Sadomasochisten unter Umständen die einzige Anlaufstelle für das Opfer. Dementsprechend sollte jedes Mitglied der Subkultur in solchen Fällen helfen, wo es nur kann. Der größte Fehler wäre es, das Vorhandensein solcher Zustände zu tabuisieren.
[braeu] Bräutigam, W. et Clement U. "Sexualmedizin im Grundriss", 3. neubearbeitete und erweiterte Auflage, Thieme Verlag Stuttgart 1989, ISBN 3-13-542203-8.
[geissler] Geißler, Sina-Aline "Lust an der Unterwerfung", Moewig Verlag 1990, ISBN 3-8118-1141-X
[keres] Keres, Jad "Violence against SM Women within the Lesbian Community" Female Trouble Philadelphia, 1994. Jad Keres, PO Box 30145 Philadelphia PA 19103, USA.
[macti] Mactire, Sean "Malicious Intent", Writer's Digest Books, Cincinnatio, Ohio 1995. ISBN 0-89879-648-2. Von einem Autor von mehren Sachbüchern über Domestic Violence geschrieben hat und an Programmen zur Vorbeugung von Kindermißbrauch beteiligt war hier ein Buch, daß eine lesbare Einführung in die forensische Psychiatrie darstellt.
[prest] Preston, John "Mr. Benson", Alternate Publishing 1980. Zur Zeit vergriffen.
[reage] Réage, Pauline "Geschichte der O". In: Deforges, R., Réage, P. "Die O hat mir erzählt", zweite Auflage. Ullstein Verlag Frankfurt 1991, ISBN 3-548-22556-X. In der Bundesrepublik Deutschland steht die Veröffentlichung als eigenständiges Buch auf dem Index. (1996 neu aufgelegt)
[reich] Reich, J. "Prevalence and Charakteristics of Sadistic Personality Disorder in an outpatient veterans population". Psychiatry-Res. September 1993, 48(3), Seiten 267-276
[si.1.95] Dagmar (Darmstadt) "Hörigkeit. Ultimativer Thrill oder Bedrohung der eigenen Persönlichkeit?". SM Szene Intern, Nr. 1 Januar 1995, AK Vernetzung.
[si.2.93] AK Recht (Alex und Isa), "SM und Strafrecht: Teil 1: Körperverletzung und die Probleme mit der Einwilligung". SM Szene Intern, Nr. 2 Februar 1993, AK Vernetzung.
[sitzm] Sitzmann, V. "Zur Strafbarkeit sadomasochistischer Körperverletzungen", In: Goltdammer's Archiv für Strafrecht 1991 Seite 71 -- 81.
[wetzs] Wetzstein et al "Sadomasochismus -- Szenen und Rituale" rororo Sachbuch, Rowohlt Verlag 1993. ISBN 3-499-19632-8
Der Nutzen der folgenden Adressen ist unterschiedlich und viele, besonders die nichtsadomasochistischen Organisationen sind nur regional bekannt. Wer Erfahrungen mit Organisationen diese Art gemacht hat, ob gute oder schlechte, wird gebeten, uns diese mitzuteilen.
Frauen Büro: Vergewaltigung etc. Notruf rund um die Uhr: Wien 71719
Frauenhaus Notruf: Tel: 0222 545 48 00
Notruf Vergewaltigter Frauen: 0222 523 22 22
Zentrale Auskunftsstelle der Psychosozialen Dienste: Fuchsthalergasse 18 Wien 9 Tel: 310 25 73
Beschwerdestelle für Psychotherapie Tel: 0222 512 71 02 am
1.Di ( 13-15:00 ) und 3. Di ( 16-18:00 ) im Monat (Wr.Landesverband für
Psychotherapie)
ÖH Frauenreferat: Rooseveltplatz 5a, Wien 9 Tel: 408 79 58 - 72
Frauenmedizinisches Zentrum: Lainzer Str.25 Wien 13, Tel: 0222
8768171
Ambulante Schwangerschaftshilfe: Fleischmarkt 26 Wien 1 Tel: 5129631
DIE SEXUALBERATER SPEZIAL für Menschen mit Behinderungen
Einzelberatungen für behinderte Menschen und ihre Bezugspersonen,
Sexualpädagogik in Form von Seminaren, Workshops und Kleingruppen,
Gesprächsgruppen und Supervisionen für alle Interessierten. Kontaktelefon: 0222
- 7189278 // 02236 - 24529, [ Anmerkung: hier gibt es auch
Ansprechpartner, die selbst Sadomasochisten sind.]
HOSI - Homosexuelle Initiative Wien, 1.Lesben und
Schwulenverband
Novaragasse 40, A-1020 Wien Tel: 0222 216 66 04
hosi@via.at
Referat f. homo-,bi und transsex. Angelegenheiten der ÖH
Lichtensteinstr. 13 A-1090 Wien
LesBiSchwul@oeh.ac.at
Tel: 310 88 80 - 38 Fax: 310 88 80 - 12
BDSM Notfalltelefon: 0173-194 03 53 (Mo. 19-23 Uhr) - NICHT für allgemeine Fragen zu SM, sondern für Menschen, die im BDSM Zusammenhang in Not geraten sind.
Siehe dazu auch die Liste der Schlagzeilen (unter "Gruppen").